Berlin-Tourismus – Von Faszination und Schattenseiten

Der Tourismus in der deutschen Hauptstadt boomt. Berlin übt auf Besucher eine magische Faszination aus. Nicht zuletzt aufgrund der tiefgründigen Kulturgeschichte. In einem Interview erklärt die Chefin des Berliner Stadtführerverbands, welche Sehenswürdigkeiten besonders gefragt sind. Allerdings kämpft die Stadt bereits mit den Schattenseiten der Popularität. Müll und Lärm nehmen den Einheimischen die Lebensqualität. Mit einem außergewöhnlichen Projekt inklusive pantomimischer Einlagen, will das Stadtviertel Kreuzberg Touristen und Einheimische zähmen.


tourist-info-berlintourismus-faszination-und-schattenseiten-1386-2209Ohne Stadtführer könnten Berlin-Touristen nur wenige der besten Stellen der Stadt in kürzester Zeit entdecken. Schließlich ist die Metropole viel zu groß, um als Fremder alle Highlights in nur wenigen Tagen zu besuchen. Der Verband der Berliner Stadtführer bringt Touristen Berlin seit vielen Jahren näher. Gegenüber der Berliner Morgenpost hat Verbands-Vorsitzende Dana Kresse erläutert, was Besucher wollen. Sie führt seit 15 Jahren Besucher durch Berlin und weiß genau, welche Sehenswürdigkeiten beliebt sind und welche Unterschiede es bezüglich der Interessen unter Nationalitäten gibt. Auf die Frage hin, was sich in den letzten 15 Jahren verändert hätte, antwortet Kresse: „Es kommen viel mehr junge Besucher. Mitte der 90er-Jahre waren es vor allem Menschen über 50 Jahre. Sie wollten das klassische Programm sehen: Brandenburger Tor, Gendarmenmarkt, Museumsinsel, wenn noch ein Tag übrig blieb, war ein Ausflug nach Potsdam obligatorisch. Oft wurde Monate im Voraus gebucht. Heute ist alles viel spontaner, wir Gästeführer müssen sehr flexibel sein. Aber die klassischen Sehenswürdigkeiten sind weiterhin beliebt, auch bei jungen Besuchern. Der größte Unterschied ist: Immer mehr Touristen sind nicht zum ersten Mal hier. Sie kennen sich aus und wollen angesagte Orte sehen.“

Unterschiede der Nationalitäten und populäre Anziehungspunkte

Besonders interessant sind ihre Anmerkungen zum Thema Nationalitäten: „Italiener wollen das Olympiastadion sehen, in dem ihre Nationalmannschaft im Jahr 2006 Weltmeister wurde. Amerikaner fragen nach dem Checkpoint Charlie oder dem Tempelhofer Flughafen. Dass der geschlossen ist, wird aber ohne Aufregung zur Kenntnis genommen. Aber so sehr bestätigen sich Klischees gar nicht. Meist geht es um persönliche Geschichten. Russen mit Vorfahren aus Berlin fragen nach "Charlottengrad", so hieß das russisch geprägte Viertel in den 20er-Jahren. Aber was wirklich alle sehen wollen: die Berliner Mauer.“ Neben der Berliner Mauer seien Checkpoint Charlie und Hochbunker sehr populär unter Touristen. Bei der Besichtigung sind Erläuterungen der Stadtführer erwünscht. Besucher möchten die verschiedenen Orte in den geschichtlichen Zusammenhang einbinden können, nach dem sie dort waren. Auch Osten und Westen Berlins sei laut Kresse ein Thema, das keineswegs an Bedeutung verliert.

Vorurteile, Souvernirs und Insidertipps

Ein Vorurteil, das Kresse auf die Frage was die häufigsten Irrtümer sind anspricht, dreht sich um die Sicherheit in der Metropole. Kresse stellt klar, dass Berlin sicher sei. Die Frage, ob Touristen in Gruppen oder eher einzeln unterwegs sind, beantwortet Kresse damit, dass der individuelle Tourismus beliebter wird. Die Zahl der Besucher, die Berlin via Apps und Smartphone erkunden, steigt. Kresse fügt hinzu: „Aber Informationen im Netz sind meist Massenware. Von uns gibt es persönliche Tipps und die Möglichkeit, in den Dialog zu treten. Das wünschen sich viele und buchen uns.“ In Sachen Souvenirs hat sich einiges geändert. Während nach der Wende Mützen russischer Armeen hoch im Kurs standen, ist es nach Kresse heute der Buddybär. Auf Platz eins der gefragtesten Mitbringsel stehen aber Stücke der Berliner Mauer.

Unabhängig von offiziellen Stadtführern haben Touristen weitere Möglichkeiten, um von Insider-Tipps zu profitieren. Neben Couchsurfing-Touren bei Einheimischen präsentieren Begleitservice Agenturen wie Target Escort in Berlin die deutsche Hauptstadt von einer besonders individuellen Seite. Egal ob urbane Kunstszene, Berlins Kulinarik oder das städtische Nachtleben – mit professionellen Begleitungen lernen Besuchern Berlin authentisch kennen. In der Reportage der Deutschen Welle wurden Insidertipps für Berlin-Touristen zusammengefasst.

Schattenseiten des Tourismus

„No more Rollkoffer“, derartige Sprüche können Touristen in Kreuzberg abschrecken. Die Berliner Morgenpost fragte Frau Kresse, ob sie auf der Seite der Einheimischen Feindseligkeit gegenüber Touristen erkennen könne. Sie verneinte dies und sagt: „Natürlich rollen Einwohner auch mal mit den Augen, wenn im Fünf-Minuten-Takt größere Gruppen Touristen durch ihren Kiez strömen. Aber eine Gruppe Deutscher würde das im Ausland ähnlich erleben.“ Der florierende Tourismus wird von Einheimischen zweifelsohne als positiv betrachtet. Das bestätigt eine Umfrage, die 2014 durchgeführt wurde. Demnach sind 88 Prozent der Einheimischen stolz auf die Attraktivität ihrer Stadt. Im vergangenen Jahr zählte Berlin 28,7 Millionen Übernachtungen und knapp zwölf Millionen Besucher. Ein Besucherrekord jagt den nächsten.

tourist-info-berlintourismus-faszination-und-schattenseiten-1386-2210Trotz allem hinterlässt der Tourismus seine Spuren. Ein Projekt, der den stadtverträglichen Tourismus fördern soll, hat nun Kreuzberg in die Wege geleitet. In Kooperation mit dem Kreuzberg- Friedrichshainer Stadtrat Peter Beckers präsentierte Geschäftsführer von „Visit Berlin GmbH“ Burkhard Kieker das Projekt, mit dem innerhalb der Zentren des lebendigen Nachtlebens ein rücksichtsvoller Umgang zwischen Touristen und Einheimischen gefördert werden soll. Die Motivation hinter dem Projekt besteht darin, dass auch andere attraktive Metropolen der Welt bestrebt sind, guteGastgeber zu sein ohne dabei das Wohl der Einheimischen zu vernachlässigen. An 15 Abenden werden zwischen 8. Mai und 11. Juli 2015 Pantomime vor stark besuchten Clubs auftreten. Stumm aber für alle Passanten verständlich sollen sie auf stadtverträgliches Benehmen hinweisen. Im Hintergrund liefern Mediatoren passende Informationen. Laut Beckers wolle man mit dem Projekt das Ziel verfolgen, „Jenseits vom Ordnungsrecht“ um Rücksicht für Anwohner zu werben. Dabei ginge es nicht nur um Touristen. Diese würden sich laut Beckers an anderen orientieren und dies wären zum Großteil die Einheimischen selbst. Auf der Admiralbrücke wäre als Beispiel die Belästigung durch Biertrinker, Urinieren in Hauseingänge und lautes Singen vor Jahren nur schwer einzudämmen gewesen. Drei Viertel der Störenfriede hätten zur Nachbarschaft gehört und waren demnach keine Touristen. Das Projekt mit Pantomime ist ein Testlauf. Bleibt der Erfolg aus, sind alternative Lösungen geplant.

Bildquellen:
  • Brandenburger Tor | Borris | berlin-info
  • | Borris | berlin-info

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