Hertha BSC 2014 - eine Bestandsaufnahme

Olympischer Platz 14053 Berlin

Anderthalb Jahre war es für die Hertha unter Jos Luhukay immer nur nach oben gegangen: Nachdem dem holländischen Coach auf Anhieb die souveräne Rückkehr in die Bundesliga gelang, schienen die Berliner dann nach der sensationellen Hinrunde 2013 bereits auf dem direkten Weg in einen der europäischen Wettbewerbe zu sein. Die in den Himmel wachsenden Erwartungen konnte das Jahr 2014 angesichts eines erschreckenden Leistungseinbruchs in der Rückrunde jedoch leider nicht erfüllen – und da es auch in der neuen Saison kaum besser um die Mannschaft steht, ist es ein durchaus tröstlicher Gedanke, dass das Seuchen-Jahr der Blau-Weißen nun in wenigen Wochen zu Ende geht.

Im Winter ging der Aufstiegsschwung verloren

sport-hertha-2014-eine-bestandsaufnahme-1340-2116Während sich die Hertha derzeit nur leidlich erfolgreich gegen das drohende Abrutschen in die tiefrote Zone stemmt, muss die Erinnerung an den letzten Jahreswechsel fast schon wehmütige Gefühle wecken: Da die alte Dame unmittelbar vor Weihnachten zwölf durch und durch glanzvolle Monate mit einem sensationellen 2:1-Erfolg im Dortmunder Signal-Iduna-Park noch einmal zu krönen verstand, schien der seit längerer Zeit im Dornröschenschlaf dahindämmernde Riese schließlich endlich wachgeküsst worden zu sein. Mit dem zur Winterpause zu konstatierenden 6. Tabellenplatz mutete die Zukunft plötzlich wieder wie ein Freund des Berliner Fußballs an – zumal das Team mit Adrian Ramos über einen regelmäßigen Matchwinner verfügte, der sich nach 17 Partien an der Spitze der Torjägerliste befand. Während dann im Januar jedoch gleich das erste Rückrundenspiel in Frankfurt mit 0:1 verloren ging, schien die Glückssträhne zumindest doch in wirtschaftlicher Hinsicht eine unmittelbare Fortsetzung zu finden: Durch den hinter den Kulissen eingefädelten Einstieg des Investors KKR wurde den Charlottenburgern für die nahe Zukunft ein warmer Geldregen in Aussicht gestellt. Ein umfangreiches Aktienpaket war der New Yorker Beteiligungsgesellschaft eine stolze Vergütung inklusive eines üppigen Darlehens wert – dank der insgesamt ausgeschütteten 61,2 Millionen Euro fand sich die notorisch klamme Hertha geradezu über Nacht auf der monetären Sonnenseite ein.

„Arm und sexy“ war einmal

Dass den Einstieg des Investors auch zahlreiche kritische und mahnende Stimmen begleiteten, kann vor dem Hintergrund der allgemeinen Diskussionen um den „modernen Fußball“ nicht verwundern: Da sich die KKR bislang jedoch nicht als die befürchtete „Heuschrecke“ erwies und die Hertha überdies kräftig ihre angehäuften Schulden tilgen konnte, wurde die Aufregung um den abgeschlossenen Deal schon bald wieder vom fußballerischen Alltagsgeschäft verdrängt. Angesichts des einsetzenden Abschwungs nahm der weitere Fortgang der Bundesliga-Saison schließlich die volle Aufmerksamkeit in Anspruch – mit nur 13 eroberten Zählern in den 17 Partien des Frühjahrs war der Aufsteiger mit einem Male auf dem dürftigen spielerischen Niveau der beiden Abstiegsjahre 2010 und 2012 angelangt.

Zwar erweis sich das Polster der Hinrunde als stattlich genug, um sie nie um den Klassenerhalt sorgen zu müssen, als zweitschlechteste Mannschaft der Rückrunde wurden die Blau-Weißen in der entsprechenden Tabelle jedoch sogar von den Absteigern aus Braunschweig und Nürnberg abgehängt. Während die Hertha im Februar immerhin noch mit den beiden Auswärtssiegen in Hamburg und Stuttgart die optimistische Stimmung der Vorrunde am Leben erhielt, gewann schon bald aufgrund der enormen Heimschwäche rund um das Olympiastadion die Tristesse die Oberhand: Nachdem die ersten sechs Auftritte vor der eigenen Anhängerschaft lediglich zwei Punktgewinne brachten, war dann erst der 2:0-Sieg gegen das Schlusslicht aus Braunschweig für den einzigen Heim-Dreier der gesamten Jahreshälfte gut – etwaige Anflüge von guter Laune wurden allerdings bereits mit der 0:4-Pleite gegen den BVB zum Saisonabschluss wieder mit aller Entschlossenheit verscheucht.

Im Frühjahr stellte sich der Besuch eines Heimspiels der Hertha allzu oft als eine Tortur heraus. Erst in der neuen Saison fand der Hauptstadt-Klub allmählich zu seiner gewohnten Stärke im Olympiastadion zurück.

Der langen Negativserie war es dann auch geschuldet, dass dem am Ende nach 34 Spieltagen verbuchten 11. Tabellenplatz nicht mehr die angemessene Würdigung beschieden war: Dabei hatte die Hertha mit Blick auf den ursprünglich anvisierten Klassenerhalt sämtliche Erwartungen eigentlich schon frühzeitig übertroffen. Da sich die Mannschaft in der Rückrunde jedoch durchweg formschwach präsentiert und überdies auch die zahlreichen taktischen und personellen Experimente von Luhukay nicht die gewünschte Wirkung zeigten, stand bereits etliche Wochen vor dem Saisonende fest, dass sich das Gesicht des Teams in der Sommerpause grundlegend ändern wird – zumal schon allein der sich abzeichnende Absprung von Adrian Ramos eine Neuordnung in der Offensive unumgänglich machte.

Jede Menge frischer Wind für die Offensive

Dank der verbesserten Finanzsituation wurde in der Transferperiode also mächtig rangeklotzt; die letztlich neun (kostenpflichtig) an Land gezogenen Neuzugänge ließ sich die Hertha den sechsthöchste Investitionsbetrag sämtlicher Bundesligisten kosten. Die größte Ablösesumme in Höhe von 3,5 Millionen Euro machten die Charlottenburger dabei für den aus Basel weggelotsten Valentin Stocker locker. Darüber hinaus weckten auch die weiterhin hinzugewonnenen Julian Schieber und Jens Hegeler sowie die nunmehr dauerhaft an den Verein gebundenen Skjelbred und Cigerci die Hoffnung, dass es das Team in der neuen Saison deutlicher stürmischer angehen lässt – zumal man dann kurz nach dem Saisonbeginn mit Salomon Kalou auch noch einem echten Stürmerstar mit erwiesenem Champions-League-Format der Weg an die Spree schmackhaft machen konnte.

Die Top-Neuzugänge des Sommers

Valentin Stocker (FC Basel) 3,5 Millionen Euro
Julian Schieber (Dortmund) 2,5 Millionen Euro
Salomon Kalou (Lille) 1,8 Millionen Euro
Tolga Cigerci (Wolfsburg) 1,5 Millionen Euro
Roy Beerens (Alkmaar) 1,5 Millionen Euro

Die Personalpolitik deutete klar darauf hin, dass die Probleme der enttäuschenden Rückrunde nunmehr entschlossen angegangen werden sollten: Galt es nach dem Abgang von Ramos zum einen, die Verantwortung für das Toreschießen fortan auf möglichst viele breite Schultern zu verteilen, hatte Luhukay überdies vor allem auch die Eroberung der Spielkontrolle im Sinn. Im Aufstiegsjahr konnten die Blau-Weißen pro Spiel schließlich nur auf einen durchschnittlichen Ballbesitz von 47% verweisen, was dem drittschlechtesten Wert der gesamten Bundesliga entsprach: Um der erhofften Schritt nach vorn zu machen, galt es demnach nicht zuletzt, sich künftig deutlich aktiver in das Spielgeschehen einzubringen.

Auf den Umbruch folgt die Stagnation

Nach dem Neustart im August mussten die Berliner dann allerdings ernüchternd schnell erkennen, dass sich das Gesicht der Mannschaft offensichtlich doch nicht grundlegend genug gewandelt hat: Da ein Großteil der Neuverpflichtungen vor allem auf eine Verbreiterung der Kaders zielte, wurden vom Start weg neue Führungspersönlichkeiten vermisst, die von den demoralisierenden Erfahrungen des Frühjahrs unbelastet waren. Statt den enttäuschenden Verlauf der Rückrunde entschlossen abzuhaken, schienen die altbekannten Selbstzweifel auch weiterhin durch sämtliche Köpfe zu spuken: Insbesondere die unmittelbar zu Beginn gegen Bremen und Leverkusen mit vollen Händen verschenkten Punkte hatten zur Folge, dass sich die alte Dame gleich wieder auf der schiefen Ebene befand.

War es anfänglich nur einzelnen Unkonzentriertheiten geschuldet, dass das Team nach 90 Minuten wiederholt zu kurz gekommen war, schlug die leichte Ergebniskrise dann gegen Mainz und Freiburg bereits mit voller Wucht auf die gezeigten Leistungen durch: Da die Hertha an den ersten vier Spieltagen lediglich zwei Zähler eroberte, ließ sich auch anhand der damaligen Wettquoten schon frühzeitig erahnen, dass es für die Blau-Weißen in diesem Jahr ärgerlicherweise wohl doch noch um den Klassenerhalt gehen kann. Immerhin machte es jedoch vieles einfacher, dass die Mannschaft in bedrängter Lage ihre so lange vermisste Heimstärke wiederfand: Während es in der Fremde gegen Augsburg, Schalke und Paderborn eine Niederlage nach der anderen setzte, wurden im Olympiastadion gegen den VfL, Stuttgart und den HSV starke neun Punkte in Folge eingefahren.

Die Hertha im Wechselbad der Gefühle

Zwar sorgte die Heimserie dafür, dass die Hertha nie das gesicherte Mittelfeld aus dem Blick verlor, selbst dieser kleine Lauf brachte der Mannschaft aber nicht die irgendwann in der längst vergangenen Winterpause abhanden gekommene breite Brust zurück: Da es nach jedem Lichtblick umgehend gleich wieder einen bösen Nackenschlag setzte, sind dem Verein im gesamten Kalenderjahr 2014 nie zwei Pflichtspielsiege in Folge geglückt. Als ganz besonders ärgerlicher Rückschlag ist dabei die Pokal-Niederlage beim Drittligisten Arminia Bielefeld in Erinnerung geblieben: Die ewige Hoffnung, einmal an einem Endspiel im heimischen Wohnzimmer teilzunehmen, wurde mit einem enttäuschenden Auftritt in der ostwestfälischen Provinz in den Sand gesetzt.

Das bittere Ausscheiden hatte die Spieler offensichtlich derart geschockt, dass kurz darauf gegen Hannover 96 auch die mutmachende Heimserie im Olympiastadion riss; nur eine Woche später tröstete dann allerdings der erste Auswärtssieg der Saison beim 1. FC Köln über die entgangenen Heimspiel-Freuden hinweg. Auch die starke zweite Halbzeit bei der achtbaren 0:1-Niederlage gegen den deutschen Rekordmeister ließ einmal mehr erkennen, dass bei der Hertha keineswegs Hopfen und Malz verloren ist: Dennoch wird das zu Ende gehende Jahr fraglos als ein Abschnitt in Erinnerung bleiben, in dem sich der Hauptstadt-Klub im besten Falle munter durchgewurschtelt hat.

Die Perspektive bleibt gegeben

Da die Blau-Weißen aber auch in der diesjährigen Hinrunde immer wieder spielerisch ansehnliche Ansätze präsentierten, wäre es allerdings verfehlt, enttäuscht über der Mannschaft den Stab zu brechen: Obendrein hat sich in den vergangenen Monaten gerade in Zeiten der Not gezeigt, dass der Verein seit den beiden Abstiegsjahren 2010 und 2012 eine ganze Menge Format hinzugewonnen hat. Wurde in den einstigen Katastrophen-Spielzeiten noch mit blindwütigem Aktionismus auf das Ausbleiben der erhofften Erfolgsmeldungen reagiert, wird mittlerweile auch im Auge des Krisen-Orkans auf seriöses Arbeiten größten Wert gelegt: Nicht zuletzt die Kontinuität auf dem Trainerstuhl sollte dafür bürgen, dass dank des bereits mehrfach bewiesenen Händchens von Jos Luhukay schon das kommende Spieljahr in deutlich besserer Erinnerung bleibt.

Bildquellen:
  • Hertha BSC Berlin | Marc R. | berlin-info

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