Zerstörte Vielfalt

2013 werden die Menschen in Berlin immer wieder dem Themenjahr begegnen. Es sind ausgewählte Originalschauplätze mitten im Geschehen, Straßen, Wege oder Orte, die mit insgesamt rund 120 Säulen markiert sind und als Wegeleitsystem durch das Themenjahr ZERSTÖRTE VIELFALT fungieren.


Alle Säulen sind wiedererkennbare Elemente der Open-Air-Ausstellung zum Themenjahr. Sie ermöglichen eine spannende Entdeckungsreise, die die Aktivitäten im Themenjahr vernetzt und neugierig macht auf Museen, Ausstellungsvorhaben, Lesungen, Apps und vieles andere mehr.

1. DIE ZENTRALE PORTRÄT-AUSSTELLUNG AB 30. JANUAR AM BRANDENBURGER TOR (NACHFOLGEND VORAUSSICHTLICH AM LUSTGARTEN)

Mit dem Machtantritt der Nationalsozialisten im Januar 1933 wurde nach und nach zum Gesetz erhoben, was sich in den letzten Jahren der Weimarer Republik durch die Agitation der NSDAP und den Straßenterror der SA bereits angekündigt hatte: die Verdrängung aller kulturellen, politischen und wirtschaftlichen Kräfte, die nicht den ideologischen Vorstellungen der Nationalsozialisten entsprachen. Neben der Zerstörung des Rechtsstaates und der Demokratie hatte das eine fast vollständige Zerstörung der kulturellen Vielfalt – für die besonders die Metropole Berlin in aller Welt bekannt war – zur Folge.

Eine unvorstellbar große Zahl von Künstlern, Schriftstellern, Komponisten, Theaterleuten, aber auch Ärzten, Anwälten und Lehrern, die Anfang der 1930er-Jahre das vielfarbige kulturelle, urbane Leben Berlins geprägt hatten, fielen der Ausgrenzung und Verfolgung durch die Nationalsozialisten zum Opfer, wenn sie nicht in deren rassistisches und antisemitisches Weltbild passten oder ihre Kunst als „undeutsch“ oder politisch missliebig gedeutet wurde. Erfolgreiche Karrieren wurden gewaltsam beendet, hoffnungsvolle Talente konnten sich nicht mehr entfalten. An die Stelle einer bunten, international geprägten Kultur trat nun die Gleichschaltung aller kulturellen Aktivitäten. Die Menschen, die ausgegrenzt, vertrieben oder ermordet wurden, sollten dem kollektiven Gedächtnis entrissen, die Erinnerung an sie nachhaltig ausgelöscht werden.

Heute, rund acht Jahrzehnte später, da wir unsere kulturelle Vielfältigkeit längst wiedergewonnen haben und ihren Wert zu schätzen wissen, erinnern wir an diese Frauen und Männer, an ihre Bedeutung und zeigen in einer großen Open-Air-Ausstellung - ab 30. Januar am Brandenburger Tor, später am Lustgarten - ihre Gesichter. Insgesamt werden es über 200 sein, darunter bekannte Persönlichkeiten wie Albert Einstein oder Bertolt Brecht, die meisten aber sind uns heute unbekannt – Musiker, Fotografen, Kabarettisten, Dichter, Varietékünstler und Zirkusartisten.

2. STADTMARKIERUNGEN: THEMATISCHE AUSSTELLUNGEN

Die Zerstörung der besonders in den 1920er-Jahren erblühten kulturellen Vielfalt Berlins begann sofort nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten am 30. Januar 1933. Vieles davon hatte die NSDAP in den Jahren zuvor bereits angekündigt, konnte es aber erst jetzt durch den Zugriff auf den staatlichen Machtapparat, mit Hilfe von Gesetzen und Verordnungen, umsetzen. Missliebige Menschen wurden gebrandmarkt, verdrängt, ausgeschlossen, viele schließlich deportiert und ermordet.

Welche Schritte dorthin führten, welche Mechanismen dahinter steckten, welche Orte der Stadt für die Vielfalt und ihre Zerstörung von besonderer Bedeutung waren und wo mit besonderer Perfidie vorgegangen wurde – das zeigen elf Open-Air-Ausstellungen an elf markanten Orten im Stadtgebiet. Jeweils von der konkreten Örtlichkeit ausgehend, beleuchten sie Aspekte der Berliner Geschichte im Nationalsozialismus, die das Thema „Zerstörte Vielfalt“ aus den unterschiedlichsten Perspektiven sichtbar machen. So werden zum Beispiel auf dem Platz der Republik zwischen Reichstag und ehemaliger Kroll-Oper die Zentren und die einzelnen Stationen der „Machtergreifung“ dargestellt. Am Wittenbergplatz in der Nähe des KaDeWe zeigt die Ausstellung „Vom Boykott zum Pogrom“ die zunehmende Radikalisierung im Umgang mit den Juden. Am ehemaligen Flughafen Tempelhof werden unter dem Titel „Feiern und zerstören“ die für die NS-Herrschaft charakteristischen Spannungsfelder Einbindung und Ausgrenzung, Anspruch und Realität in den Mittelpunkt gerückt. Am Rathaus Tiergarten steht „Der Weg der Deportierten“ sowohl im konkreten als auch im übertragenen Sinne im Fokus.

In allen Ausstellungen werden neben vertiefenden Texten zu einzelnen Aspekten weithin sichtbare Porträts von Persönlichkeiten präsentiert, die in dem jeweiligen Zusammenhang von Bedeutung waren, die „Zerstörte Vielfalt“ repräsentieren und an die auf diese besondere Weise erinnert werden soll.

Beispiel: Thematische Ausstellung
Titel: Zentren der „Machtergreifung“
Ort: Platz der Republik, Präsentation ab 30.1.2013

„Ick kann jar nich so ville fressen, wie ick kotzen möchte.“ Dieser vielzitierte Satz zur Machtübernahme der Nationalsozialisten stammt von dem bedeutenden impressionistischen Maler Max Liebermann. Der Ur-Berliner wohnte am Pariser Platz und musste hautnah miterleben, wie am 30. Januar 1933 ein nur wenig beeindruckender, propagandistisch aber umso pompöser dargestellter Fackelzug aus SA-Männern durch das Brandenburger Tor an seiner Haustür vorbeizog.

Das Zentrum der staatlichen Macht lag nicht weit entfernt in der Wilhelmstraße. Wenn auch die Ernennung Hitlers zum Reichskanzler ein völlig legaler Akt war und mit einer „Machtergreifung“ nichts zu tun hatte – nach dieser formalen Machtübertragung ergriffen die Nationalsozialsozialisten sehr wohl die Macht in allen gesellschaftlichen Bereichen – und das sehr schnell. Maßgeblich trugen dazu Hermann Göring und Wilhelm Frick bei, die mit dem Preußischen Innenministerium und dem Reichsinnenministerium die Verfügungsgewalt über die Polizei besaßen und damit zwei bedeutende Schaltstellen besetzt hatten. Dagegen lagen die Hochburgen der NSDAP vor 1933 noch im bürgerlichen und vom Militär geprägten Westen und Südwesten Berlins. Die Machtzentren des von den Nationalsozialisten Schritt für Schritt in Besitz genommenen Staates waren gleichzeitig Zentren der Zerstörung der Vielfalt – um sie geht es hier, auf dem Platz der Republik zwischen dem Reichstag und der nicht mehr existierenden Kroll-Oper.

Auf diese Vergnügungsstätte wich das Parlament für seine Sitzungen aus, nachdem der Reichstagsbrand in der Nacht vom 27. auf den 28. Februar 1933 den Plenarsaal zerstört hatte. Hier wurde die politische Opposition – zunächst vor allem Kommunisten und Sozialdemokraten – mit gesetzlichen Mitteln drangsaliert und die ersten antijüdischen Gesetze erlassen. Ausgerechnet in einer Stätte der Kultur und nicht im Reichstag stimmten die Parlamentarier gegen die Demokratie und läuteten so die Zerstörung der Vielfalt ein. Ihr eigenes Machtzentrum bekam die institutionalisierte Zerstörung kultureller Vielfalt schon im März 1933: das Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda am Wilhelmplatz, geleitet von dem gescheiterten Schriftsteller Joseph Goebbels.

Weitere Informationen unter www.berlin.de/2013

Bildquellen:
  • Zerstörte Vielfalt - Berlinm 1933-1938-1945 | Borris | Berlin Info 95 GmbH | berlin-info
  • Zerstörte Vielfalt | Borris | berlin-info

  • Immobilien Berlin

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