Interview mit Michael Palloks vom Institut für Prävention und Verkehrssicherheit

Die Verkehrssicherheit in den Ländern Berlin und Brandenburg ist auch in den Medien ein viel zitiertes Thema. Gerade Fahranfänger im Alter zwischen 18 und 24 Jahren sind überdurchschnittlich häufig in Unfälle verwickelt. Mit dem Projekt Regio-Protect 21 will das Institut für Prävention und Verkehrssicherheit (IPV) aufklären und gegensteuern. Wir haben uns deshalb mit dem Projektkoordinator des IPV, Michael Palloks, unterhalten. Michael Palloks hat sich bereits während seines Magisterstudiums an der Universität Potsdam mit dem Thema Mobilität beschäftigt. Darüber hinaus hat er bereits als studentischer Mitarbeiter am IPV gearbeitet und ist seit 2010 hauptberuflich am Institut tätig. Dort koordiniert und betreut er unter anderem auch das Projekt Regio-Protect 21.

Unfallschwerpunkte in Berlin

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Borris Häring: Guten Tag Herr Palloks! Sie sind Projektkoordinator für Regio-Protect 21.
Worum geht es dabei genau?

Michael Palloks: Guten Tag! Das Team des Projekts „Regio-Protect“ – Regionalisierte protektive Fahranfängervorbereitung – hat es sich zur Aufgabe gemacht, regionale Unfallschwerpunkte von Fahranfängern (sog. „Gefahrenstellen“) zu ermitteln und grafisch (z. B. für den Einsatz in der Fahrschulausbildung) aufzubereiten sowie für jedermann zugänglich im Internet bereitzustellen; unter: http://www.facbook.com/regioprotect und http://www.regio-protect-21.de.
Ziel ist es, 18- bis 24-Jährige hinsichtlich fahranfängertypischer Unfallursachen und Unfallrisiken zu sensibilisieren. Im Ergebnis soll damit ein Beitrag zur Verbesserung der Fähigkeiten von Fahranfängern zur Verkehrswahrnehmung und Gefahrenvermeidung geleistet werden.

Borris Häring: Wen spricht das Projekt speziell an?

Michael Palloks: Das Projekt zielt vorrangig darauf ab, Inhalte für die Fahrschulausbildung (also für Fahrlehrer) bereitzustellen und die Ausbildung mit der Fahrerlaubnisprüfung zu verzahnen. Darüber hinaus werden aber auch Fahranfänger und weitere Interessierte direkt angesprochen. In vielfältigen Arbeitsschritten erfolgte hierzu die Analyse und Aufbereitung der Unfalldaten: Hierbei wurden die „Gefahrenstellen“ der einzelnen Landkreise und kreisfreien Städte Brandenburgs ermittelt sowie mit Informationen zu den Unfallursachen und den Unfallsituationen von Fahranfängern hinterlegt; weiterhin wurden Videos zu den Streckenabschnitten ergänzt, so dass eine „virtuelle“ Befahrung der „Gefahrenstellen“ am PC möglich ist. Schließlich wurden für die unterschiedlichen Zielgruppen (z. B. Fahrlehrer, Fahrschüler, Fahrerlaubnisprüfer aber auch Unfallkommissionen) „Gefahrenstreckenverzeichnisse“ und Lehr-Lernmaterialien zu den Landkreisen erarbeitet.

Borris Häring: Wird Regio-Protect 21 von den einzelnen Gruppen angenommen?

Michael Palloks: Die Resonanz der Nutzer ist fast ausschließlich positiv. Das ergab eine mehrstufige Evaluation und Nutzerbefragung in den letzten zwei Jahren. Dennoch gibt es selbstverständlich immer etwas zu optimieren, weshalb wir stets darum bemüht sind, Anregungen von Nutzern aufzunehmen und umzusetzen. Bedauerlicherweise muss man jedoch auch kritisch feststellen, dass es bislang nicht gelungen ist, die Mehrheit der brandenburgischen Fahrlehrer zur Nutzung zu motivieren. Die Fahranfänger und insbesondere die Fahrerlaubnisprüfer sind dahingehend weitaus aktiver als die hiesige Fahrlehrerschaft.

Borris Häring: Welche konkreten Informationen oder Hilfestellungen werden besonders häufig genutzt?

Michael Palloks: Ein Blick in die Statistik über die Homepagezugriffe verrät uns, dass die Unfallkarten und Informationen zu den regionalen „Gefahrenstellen“ sowie die dazugehörigen Streckenvideos am häufigsten aufgerufen werden. Wir gehen einfach davon aus, dass gerade dieser regionale Fokus den Reiz des Projekts ausmacht: Normalerweise lernen Fahrschüler mit Materialien einschlägiger Verlage, die ihre Inhalte überregional vermarkten. Eine Identifizierung der Fahrschüler mit den Unterrichtsinhalten ist da nicht zu erwarten. Handelt es sich beim Unterrichtsstoff jedoch um Regionen, in denen die Fahranfänger wohlmöglich täglich unterwegs sind – z. B. auf dem Weg zur Schule oder zur Ausbildung – sieht das schon ganz anders aus. Die Fahrschüler werden aktiviert und motiviert, was häufiger zu besseren Lernerfolgen und Transfereffekten führt. Neben den Unfalldaten sind es dann noch die Kampagnenfilme der Initiativen „Lieber sicher. Lieber Leben“ (Land Brandenburg) und „Runter vom Gas“ (DVR), die vielfach aufgerufen werden.

 

Borris Häring: Gibt es bereits bestimmte Ereignisse oder Ergebnisse, die Sie für Regio- Protect 21 als Erfolg verbuchen können?

Michael Palloks: Wir sind dankbar dafür, dass das brandenburgische Verkehrsministerium die (innovative) Idee des Projekts von Beginn an gefördert hat und auch weiterhin Mittel zur Optimierung und Pflege der Projektinhalte bereitstellt. Über den Verlauf der Zeit ist es somit gelungen, Auswertungsalgorithmen zur Ermittlung der „Gefahrenstellen“ zu entwickeln und zu optimieren, entsprechende Softwarelösungen zu generieren und mustergültige Ausbildungseinheiten für die Fahrschulen zu erarbeiten. Nicht zuletzt sind wir stolz darauf, auch im engen Austausch mit den Experten der Unfallkommissionen einen Beitrag zur Verkehrssicherheit zu leisten.

 

Borris Häring: Sind in naher Zukunft Aktionen oder Erweiterungen geplant?

Michael Palloks: Derzeit sind wir damit befasst, die Projekthomepage vollkommen neu zu gestalten. Hier wird es zu gegebener Zeit viele spannende Features zu entdecken geben, die aufgrund der modernen Homepage-Struktur nun ausführbar sind. Unter anderem sollen Nutzer der Homepage die Möglichkeit haben, sich über ihr Smartphone orten zu lassen, um präventive Hinweise zu weiteren Gefährdungsstellen zu teilen; Stellen, die z. B. in der Unfallstatistik aufgrund des Algorithmus vielleicht noch gar erfasst sind. Wir dürfen gespannt sein. Regelmäßig reinzuschauen, lohnt sich auf alle Fälle.

 

Borris Häring: Und wie sieht es langfristig aus? In welche Richtung soll Regio-Protect 21 weiterentwickelt werden?

Michael Palloks: Langfristig ist alles offen. Mittelfristig sind wir jedoch bestrebt (die Unterstützung vom Land vorausgesetzt), verschiedene Angebote der sog. Fahranfängervorbereitung zu bündeln: Wir haben den Anspruch, dass Fahrlehrer, Fahrerlaubnisprüfer, Fahranfänger und weitere Interessierte bei uns alles zum Thema Fahranfängersicherheit aus „einer Hand“ erhalten. Zudem würden wir uns wünschen, die Fahrlehrer als Anwender noch regelmäßiger und in einem größeren Umfang auf unseren Seiten begrüßen zu dürfen.

 

Borris Häring: Wir danken Ihnen für das Gespräch, Herr Palloks.

Michael Palloks: Ich bedanke mich auch für Ihr Interesse und hoffe, weitere Interessierte für die Projektinhalte oder das Facebook-Profil (http://www.facebook.com/ regioprotect) begeistert zu haben.

Bildquellen:
  • Interview mit Michael Palloks vom Institut für Prävention und Verkehrssicherheit | Moe | berlin-info

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